Reichsstadt und Bildung

Mühlhausen/Thüringen, 16. bis 18. Februar 2026

13. wissenschaftliche Tagung des “Mühlhäuser Arbeitskreises für Reichsstadtgeschichte” in Verbindung mit der Friedrich-Christian-Lesser-Stiftung und dem Mühlhäuser Geschichts- und Denkmalpflegeverein e. V.

Konzeption

Verschiedene Formen und Ausprägungen von Bildungsinstitutionen und Wissensfeldern kennzeichneten das Leben in den Städten des vormodernen Europas. Ziel der Tagung ist, solche Bildungskonstellationen in Reichsstädten des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit in vergleichender Perspektive zu beleuchten. Im Zentrum stehen die institutionellen, gesellschaftlichen und medialen Dimensionen von Bildung und Wissen innerhalb des administrativ-rechtlichen Rahmens von Reichsstädten. Diese Dimensionen werden mit den übergeordneten Prozessen der Urbanisierung, der Professionalisierung, der sozialen und regionalen Mobilität verknüpft. Reichsstädte werden so nicht allein als Rechts- und Wirtschaftseinheiten, sondern ebenso als Räume von Bildung und Wissen sichtbar gemacht. Dieses Vorgehen eröffnet neue Perspektiven für die Erforschung vormoderner Urbanität und verdeutlicht die zentrale Rolle von Bildung und Wissen für die politische Verfasstheit des Alten Reichs.

In den Vorträgen werden die Beziehungen von Reichsstädten zu Universitäten und die Entwicklung verschiedener städtischer Schultypen thematisiert. Erweitert wird die Perspektive durch Fallstudien zu weiblicher Bildung in Klöstern und Stiften, zum kaufmännischen Schreiben, zur medizinischen Ausbildung der Wundärzte und zur Rolle von Stadtschreibern als Trägern städtischen Wissens. So wird die Vielfalt von Bildung und Wissen in Reichsstädten deutlich – sie reicht von Elementar- und Lateinschulen über Klöster und Hauslehrer bis hin zu akademischen Laufbahnen und neu entstehenden Formen der beruflichen Professionalisierung.

Zum Tagungsprogramm

Montag, 16. Februar 2026

Gelehrte aus Reichsstädten im Spätmittelalter.
Vergleichende Perspektiven / Christian Hesse (Bern)
Die Nürnberger Hochschule in Altdorf als Bildungsort
süddeutscher Reichsstädter (1575 – 1809) /
Wolfgang Mährle (Stuttgart)
Lateinschulen in den böhmischen und mährischen königlichen
Städten in der Frühen Neuzeit (1500 – 1700) /
Martin Holý (Prag)

Montag, 16. Februar 2026 - Abendveranstaltung

Vortrag: Das Wissen der Reichsstädte /
Marian Füssel (Göttingen)

Dienstag, 17. Februar 2026

Lesen, Schreiben, Rechnen. Elementarunterricht zu Beginn
der Frühen Neuzeit am Beispiel der Reich sstadt St. Gallen /
Arman Weidenmann (St. Gallen)
Weibliche Bildung zwischen Kloster und Kommune. Geistliche
Frauen als Akteurinnen in den (reichs-)städtischen Bildungslandschaften
Essens und Kölns /
Teresa Schröder-Stapper (Düsseldorf)
„Schreiben um zu lernen.“ Kaufmännisch e Briefe als
Anweisung, Nachweis und Quelle des Sprach erwerbs
zwischen Nürnberg, Venedig und Westeuropa /
Bettina Pfotenhauer Caniato (Padua/München)
Das Wissen der Wundärzte. Medizinische Bildung und
Wissensvermittlung in spätmittelalterlichen Reichsstädten /
Melanie Panse-Buchwalter (Kassel)
„In Summa der Stattschreiber gehöret zu allen vorfallenheiten
in gemeiner Statt.“ Stadtschreiber als Wissensträger
in kleinen Reichsstädten / Sebastian Weil (Kassel)
Lateinschule, Klosterpforte, Hauslehrer. Bildungswege im
reichsstädtischen Patriziat Nürnbergs im Vergleich /
Antonia Landois (Nürnberg)
Reichsstadt und Bildung – eine Rückschau /
Kerstin Hitzbleck (Kiel)

Mittwoch, 18. Februar 2026

Die Universität Erfurt als zentraler Bildungsstandort
Thüringens im späten Mittelalter /
Robert Gramsch-Stehfest (Jena)