Reichsstädtische Akteure

Mühlhausen|Thüringen, 28. Februar bis 1. März 2022

Neunte wissenschaftliche Tagung des „Mühlhäuser Arbeitskreises für Reichsstadtgeschichte“ in Verbindung mit der Friedrich-Christian-Lesser-Stiftung und dem Mühlhäuser Geschichts- und Denkmalpflegeverein e. V.

Konzeption

Die neunte Tagung des Mühlhäuser Arbeitskreises für Reichsstadtgeschichte widmet sich den „Reichsstädtischen Akteuren“. In Ergänzung der klassischen Elitenforschung sollen auch Gruppen jenseits dieser in den Blick genommen werden: neben Geistlichen auch Gelehrte, neben Patriziern auch Verwaltungsbeamte, neben Kaufleuten auch Handwerker. Der besondere Fokus auf deren Agieren ist dabei ein dreifacher: Wie gehen sie mit Krisen und Konflikten um? Welche Karrierewege stehen ihnen offen? Und wie inszenieren sich die unterschiedlichen Akteursgruppen in ihrem Umfeld? Dabei ist stets nach dem spezifisch Reichsstädtischen zu fragen. Aufstiegsmöglichkeiten innerhalb der eigenen Akteursgruppe waren einerseits gebunden an geltende Normen, die hier ebenso dargestellt werden sollen, wie Versuche, diese zu durchbrechen. Eine Reichsstadt ermöglichte manchem vielfältige Aktionsmöglichkeiten, Ämterhäufung und die Wahrung einer breit gefächerten Interessenslage. Umbruchzeiten ermöglichten aus der Krise heraus einzelnen Akteuren neue Karrierewege und eine sich wandelnde Gesellschaft erforderte Anpassungen bislang etablierter Entwicklungen und Karrierewege. Zeremonie, Ritual und Inszenierung spielten dabei eine zentrale Rolle. Prozesse etwa werden in der Öffentlichkeit geführt, Ratswahlen mit einem öffentlichen Akt abgeschlossen, Handwerksbräuche wurden stilisiert und dienten der Integration in die reichsstädtische Gesellschaft. Dabei gilt es, zahlreiche Formen der Repräsentation zu unterscheiden. Häufig erst in der Krise wird deutlich, was sonst üblich ist. Im Konflikt entscheidet sich, wer mit wem interagiert, wer auf wessen Unterstützung hoffen kann und welche Interessen wahrgenommen werden. Lösungsstrategien können dabei insbesondere in einer Reichsstadt auf vielfältigen Wegen gesucht werden. Königsnähe oder Königsferne mochte dabei entscheidend sein. Viele Akteure beharrten auf ihrem Anspruch auf mehr Mitbestimmung und unterschiedliche Bündnisse innerhalb der reichsstädtischen Gesellschaft halfen, Auseinandersetzungen zu überwinden.

Zum Tagungsprogramm

Inhaltsverzeichnis und Vorwort des Tagungsbandes
Die Studien zur Reichsstadtgeschichte erscheinen im Michael Imhof Verlag.